Der “holy” Pfandwall,oder wie ich Kaiser von China spielen kann

November 13, 2008 at 9:40 nachmittags (Berichte aus dem Leben) (, , )

Nun ist es soweit,ein tektonisches Meisterwerk empfängt hier seine Ehrerbietung.Seit dem ich mein “neues” Leben in einer anderen Stadt gestartet hab,und zum ersten Mal auf eigenen Beinen stehen muss/kann/will/darf,haben sich einige Dinge ereignet,die ich in dieser Weise nicht vorhersehen konnte.Wenn man 19 Jahre lang behütet bei den Eltern aufwächst und sämtliche features im “Hotel-Mama”,was übrigens eins der bescheuertesten Neologismen auf dem Planeten ist, genießen kann,dann fällt einem das loslassen ungemein schwer,also mir jedenfalls.Zunächst stand ich vor dem Problem mit der Ernährung..kochen war bis dato ein Fremdwort sondersgleichen für mich.Ich,die wohl in der Lage wäre,Wasser anbrennen zu lassen.

Ich erinner mich das ich mit einem Grinsen im Gesicht zu meiner Mutter meinte,das es doch kein Problem sei,und das ich mich durchaus mit Fertigprodukten durchschlagen kann.Bereits nach 2 Wochen meines abstinenten Lebens von den Eltern,hing mir sämtlicher Fast Food aus den Ohren und wieder rein.Es war unterträglich auch nur daran zudenken,das ich nochmal Pommes oder irgendwelche Fertigsuppen zu mir nehmen könnte…Langsam begriff ich das schmunzeln im Gesicht meiner Mutter im Bezug auf meine naive treudoofe Aussage.

Ich hatte nur eine Möglichkeit,wenn ich mich nicht weiterhin in Wahnvorstellungen an Kaninchenbraten und diverse andere Leckereien aus der Kochschmiede meiner Familie wälzen wollte,ich musste anfangen umzudenken und selber den heiligen Kochlöffel schwingen.Da war nur zunächst das Problem meine Angst vor unserem frauenfeindlichen Gasherd zu überwinden.Es schien mir schiere Quälerei das Feuer dort lodern zu sehen.Als Elektroherdverseuchtes Kind brauchte ich einige Zeit um mich damit anzufreunden,und einige verbrannte Finger später hatte ich den Dreh raus.Jetz seh ich den zeitlichen Vorteil,und Zeit ist bekanntlich Geld.

Naja,nach einigen Misslungenen Kombinationen die selbst einem verhungerten chinesischen Straßenköter die Übelkeit ins Gesicht gezaubert hätte,kamen mir alte Rezepte meiner Mutter sehr zu Gute.In den ersten Wochen waren es noch die Eierkuchen,dann kam Rührei und  dann die Königsdisziplin das Braten von rohem Fleisch dazu.In letzter zeit war ich sehr fleißig am Üben und kann nun schon einige Sachen kochen,die ich noch aus dem Elternhaus kenne.Meine derzeitigen Experimente gelten einigen Fertigsoßen,die Zweckentfremdet und zu neuen Soßen getuned werden.Einiges hat große Potential mir zugefallen..mir dem “Nichts-Esser”.Und das trifft es wahrlich.

Ich habe ein gespaltenes Verhältnis zu Gemüse.Es ist mit sehr suspekt und sehr unsympathisch,ich befürchte auch,das sich an unserer Beziehung nicht viel ändern wird in Zukunft.Zu Fleisch kann ich auch nur sagen,das ich weder Kuh noch Schwein sonderlich mag,hingegen ist Geflügel eines der meist gebratensten Substanzen in meiner Küche.Obst ist zwar immer schön und gut,aber ich verspüre nie den Drang es zu kaufen,wenn es daliegt (am besten noch geschält und geviertelt),dann ess ich es schonmal,ich glaube ich versteh die Sorge meiner Mutter,das ich nach dem Ausziehen irgendwann an Skorbut erkranken werde,von daher hab ich irgendwann angefangen ab und zu mal nen Apfel zu verspeisen,um das Gewissen meiner Mutter,und auch meins, zu beruhigen.In letzter Zeit verspüre ich sogar den Apetit auf Obstsalat,ein mir in der Tat fremdes Gefühl,nur da wäre wieder das Problem mit der Motivation Obst zu kaufen.Was mich auch zu meiner Überschrift bringen wird.

Wenn man zu Hause bei den Eltern lebt ,ist einem gar nicht bewusst,das Einkauf mit einer solchen Anstrengung verbunden ist.Die Dinge die man braucht sind einfach da.So auch das Trinken.Seit dem ich alleine wohne und jede Woche einmal das schwere Trinken in die 3te Etage buckeln muss,ist mir aufgefallen,wie schwer das eigentlich ist.Das Austrinken geht dann sonderlich schwerer von der Hand als zuvor,weil man ja jetz weiß,wenn es alle ist,muss man wieder los was kaufen.Aber noch nerviger is der übrig bleibende Berg an Pfandflaschen.Wenn ich nur motivierter wäre sie wegzubringen,dann könnte ich mir jetzt sicher ein taxi zum Supermarkt leisten.Am Anfang waren es ja nur ein paar Flaschen,die geschickt unter das Bett geschoben worden sind ‘Aus dem Auge,aus dem Sinn’. Seit dem sich aber ein Hügel auf der Matraze abgezeichnet hatte  und es nun vielmehr unmöglich war normal darauf zu liegen ohne das es lustige Flaschen-zerdrück-Geräusche von sich gab,musste ich mir geschwind was einfallen lassen.Sie weg zubringen kam mir dennoch nicht in den Sinn.

Da fiel mir die ideale Stelle für meine Flaschen auf.Neben meinem Bett ist ,dank kleinem Wandvorsprung, noch etwas Platz,genau der richtige Ort dafür.Schön sortiert und aufgestapelt hab ich sie nun neben das Bett gelegt und dort triumphieren sie als ästhetisches Meisterwerk,der chinesischen Mauer gleich tuend, und sind fastgenauso hoch.Langsam hab ich  mich an ihren Anblick gewöhnt,nein,sie sogar ganz lieb gewonnen,und auf den namen “my holy pfandwall” getauft…Pfandi wenn du das liest,ich liebe dich,mach so weiter wie bisher.

Ich glaube das ganze hat etwas messihaftes…ob sich das negativ auf meinen Lebensumstad auswirken wird?Naja ich denke nicht,das es die Haare im Backofen übertrumpfen wird.Ich bin stolz auf mein gebautes Meisterwerk,und iiirgeendwaaaan wenn ich jemanden finde,der mir helfen mag,werde ich sie langsam wieder abbauen und das Geld dafür einstreichen.Von dem Geld kauf ich mir dann ein Haus,oder nen Ferrari,mal sehen,vielleicht ist auch beides möglich.

Permalink Hinterlasse einen Kommentar

Wenn Essen vergammelt,oder Haare rumliegen,dann weiß ich wieder, es ist Paul-time!

November 13, 2008 at 4:24 nachmittags (Berichte aus dem Leben) (, , )

Mh ansich ist es schon komisch,das mein erster Blog von meiner derzeitigen Wohnsituation berichtet.Vielleicht liegt das aber auch daran ,dass es  mein Leben negativ beeinflußt im Moment. Ich war immer so blauäugig naiv zu glauben das ich mit ner WG Situation klar kommen werde. Ich denke ich wollte mir nicht eingestehen,das ich viel lieber alleine wohnen würde.Nunja,leider hatte ich keine andere Wahl,da ich schnell eine Wohnung für mich finden musste,um das so Lebensnotwendige Bafög für mich beantragen zu können.

In meiner Wohnungssuchphase hab ich mir so einige Einraumwohnungen angesehen und ich muss sagen , “Schließfach mit nem Wohnklo” hätte es ausreichend bezeichnet. Jedoch gab es eine Wohnung,die trotz enormer Dunkelheit,recht gut geschnitten war ,und ne ausgezeichnete Lage hatte. Die Bewerberanzahl für eben diese Wohnung lag bei etwa 10-15 Bewerbern,die allesamt mit mir die Wohnung in Augenschein  nahmen. Darunter auch mein derzeitiger Mitbewohner ‘Paul’,von meinen Freunden auch bereits ‘der langhaarige Bombenleger ‘ genannt.

Dies wahrscheinlich nicht ohne Grund,natürlich steht es mir nicht zu etwas zu seinem Äußeren verlauten zu lassen,jedoch beschlich mich schon die Vorahnung,was für ein Mensch es sein musste..Man könnte ihn als den “typischsten” aller typischen Informatiker abstempeln.Lange gammlige braune Haare,krummes Bärtchen das Narrenfreiheit im Gesicht zu haben scheint,Lederjacke und Aktentasche/Laptoptasche,sowie Röhrenhose und Lederschuhe.. Ich will gleich anmerken,das ich absolut nichts gegen Informatiker habe,ich arbeite ja so quasi selber in deinem derartigen Beruf.Naja wie dem auch sei..

Nach besagter Besichtigung blieben einige Bewerber vor der Hofeinfahrt stehen um zu rauchen etc. ,Paul war ebenfalls dabei(nur ohne Zigarette).Meine Mutter,die mich begleitet hatte,kam mit ihm ins Gespräch-fataler Fehler !!Sie besprachen das Gesehene und stellten fest,das es verdammt schwer ist,in dieser Stadt eine vernünftige,preislich gute,Einraumwohnung zu finden.Paul, alias ‘Die Klette’,fragte recht früh was wir jetz noch vor hatten.Bereitwillig erzählte ihm meine Mutter(die scheinbar noch blauäugiger war als ich),das wir jetz zu einem Vermieter gehen werden,der noch einige andere Angebote hat.Paul zögerte nicht lange,und fragte ob er uns nicht begleiten darf,so schloss sich der kleine Hobbit Paul unserer fröhlichen Wandergruppe zum Schicksalsberg an…

Zu unserem Entsetzen gab es keine weiteren schönen 1-Raumwohnungen die man sich als armer Student hätte leisten können.Da wurde der Satz des Grauen ausgesprochen:”wollen wir nicht eine WG aufmachen?”.Bevor ich mich versah,standen wir in einer niedlichen 2-Raumwohnung die eine günstige Lage und ne annehmbare Mietlast vertrat.Trotz meines schlechten Bauchgefühls was meinen zukünftigen Mitbewohner betraf,sagte ich zu,und die notwendigen Unterlagen wurden unterzeichnet…*grausame horrormusik im hintergrund abspiel*

Jetzt sitz ich hier..es sind bereits fast 4 Monate vergangen seitdem ich mit Paul eingezogen bin.Ich konnte ihn schon nach 2 Wochen nicht mehr sehen…weil er mir mit seinem Bevormundungsgelaber tierisch auf die Nerven ging.Hinzukam,das er es sich bereits zu Beginn durch bescheuerte Kommentare mit meinem Freund verscherzt hatte und es mir schwierig machte,meinen Freund zu mir einzuladen,weil ich jedesmal Angst hatte,das wieder ein dummer Spruch kommt..und sie sich irgendwann die Köpfe einschlagen.Immerhin ist das verständlich,am liebsten hät ich ihm auch eine ins Maul gehaun,als er mich und meinen Freund als “niveaulos” beschimpfte,nachdem wir nicht weiter mit ihm DVD sehen wollten(immerhin hatten wir schon einen Film gesehen,für nen 2ten war ich nicht in Stimmung)

Nunja,man könnte meinen,ich bescheiß mich hier wegen nichts und wieder nichts.Also,der mag vielleicht im Normalfall Recht behalten.Ich könnte ihm ja aus dem Weg gehen..”40m²” sind schon genug..Aber es scheint ein wenig komplizierter zu sein.Ich oute mich hier offiziell als Chaotin,ich hab nichts gegen Unordnung,bis zu einem bestimmten Grad..aber ich hab was gegen unhygienisches Wohnen.Was in diesem Fall wohl eher zutrifft.Seine langen Haare erwiesen sich als dezent ekelhaft..Wenn man sich das Bad anguckt, bzw eigentlich die gesamte Wohnung in der er freien Zugang hat, fällt einem auf,das es aussieht als wäre ein Langhaardackel explodiert.Die Haare sind überall zu finden..in der Badewanne,im Waschbecken,auf dem Fußboden,im Kühlschrank,in der Waschmaschine,im Flur, im Backofen..etc.(weitere Aufzählungen könnten den jetz schon gelangweilten Leser noch vergraulen,also lass ich das).

Dazu kommt noch,das er zu gerne kocht,und auch der festen Überzeugung ist,das er es kann(!?).Dieser feste Glauben an sein Können,ermöglichte es ihm extra eine Flasche rotwein zukaufen,damit er das immer schön ans “Essen” ballern kann..ich muss schon sagen,das einzige was ich von ihm gegessen hatte ,waren seine in Rotwein geschwenkten Bratkartoffeln,die erstens aussahen wie Moppelkotze,und zweitens so geschmeckt haben.Gerne setzt er auchmal mit seinen Bratkünsten die Küche in blauen Dunst und gibt dem Rauchmelder im FLUR was zu tun,was mich tierisch erheitert,da er der festen Überzeugung war,das wir überall Rauchmelder haben sollten.Ich erinnere mich gerne an die Szene,als ich ihm gesagt hab,das ich keinen in meinem Zimmer haben möchte..Man könnte es mit einer Filmszene aus “Der Exzorzist” vergleichen.Seine Augen wurden ganz leer,und den Tränen nahe versuchte er mein “kindisches” Verhalten zu analysieren..warum ich ausgerechnet in MEINEM Zimmer keinen Rauchmelder haben wollte,war ihm vollkommen Schleierhaft.Aber ich muss sagen,ich hab mehr Angst, mitten in der Nacht durch das penetrante Piepsen eines Rauchmelders geweckt zu werden,als qualvoll zu ersticken.

 

Wie man eventuell bemerkt ,mag ich diesen Menschen nicht.Das lustige daran ist nun,das ich später erfahren hab,das ich die dunkle,aber feine, 1-Raumwohnung doch bekommen hätte…Jetzt sitz ich hier 1 Jahr an den Vertrag gefesselt in der ekligen Bude mit dem Informatikerboy fest

Happy End( in weiter Ferne)

Permalink 4 Kommentare

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.